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Stillen und Arbeiten gut vereinbaren

Elisabeth ist Mutter von 3 Kindern (geboren 2012, 2015, 2018) und arbeitet als Projektmanagerin/Consultant bei einem Softwareunternehmen in Tübingen.

Sie war 2012 eine der ersten schwangeren Mitarbeiterinnen im Unternehmen und Themen wie Elternzeit, Wiedereinstieg etc. damit unbekanntes Terrain. Mittlerweile haben sich die Prozesse eingespielt und das Unternehmen ist mit dem Prädikat „Familienbewusstes Unternehmen“ ausgezeichnet.

Ihre Geschichte mit 3 Stillkindern und Tätigkeit als Projektmanagerin erzählt sie in diesem Interview.

Wie war beim ersten Kind Dein Stillstart und hattest Du überhaupt geplant zu stillen?

Der Stillstart beim ersten Kind war sehr holprig.
Ich wollte unbedingt ambulant entbinden und war dazu in einem babyfreundlichen Krankenhaus. Noch vor dem Milcheinschuss hat meine Tochter jedoch Neugeborenen-Gelbsucht bekommen. Das Krankenhaus, in dem ich entbunden hatte, hatte keine Kinderklinik und da ich schon entlassen worden war, durfte die Kleine dort nicht zurück auf die Geburtsstation.

In der Kinderklinik, in der wir dann waren, war alles auf die Kinder, nicht aber die frischgebackenen Mütter eingerichtet. Kein Stilltee, keine Stillunterstützung, keine Hebammen und auch die Erwartung, dass ich das Kind alleine dort lassen und nicht bei ihm bleiben würde, worauf ich aber bestanden hatte.

Nachdem wir nach zwei Nächten wieder Zuhause waren, haben meine Hebamme und meine Mutter beharrlich darauf bestanden, dass ich das Stillen weiter versuchte – Akkupunktur, milchbildende Nahrungsmittel etc. Nach ein paar Tagen und Nächten inkl. Zufüttern mit der Flasche hatten meine Tochter und ich endlich den Dreh raus. Im Nachhinein betrachtet bin ich meiner Mutter und meiner Hebamme so dankbar dafür, nicht aufgegeben zu haben.

Wie hast Du Dich auf das Stillen vorbereitet?

Gar nicht. Ich war davon ausgegangen, dass dieser natürliche Prozess keinerlei Vorbereitung bedarf. Nachdem meine Mutter Anfang der 80er Jahre bei mir selbst das damals übliche Flaschengeben verweigert hat und mich entgegen aller Widerstände ohne Hilfe einfach Stillen konnte, hatte ich die Erwartung, dass es kein Problem geben könnte. Ich bin auch überzeugt, dass es ohne den kurzen Aufenthalt in der Kinderklinik wesentlich einfacher abgelaufen wäre.

Hast Du Dir Gedanken gemacht, wie lange Du stillen willst?

Als Erstlingsmama dachte ich, das würde sich dann mit der Beikost von selbst erledigen und das Kind sich selbst entwöhnen. Daher habe ich zunächst nicht darüber nachgedacht, ob ich nach der Elternzeit weiterstillen möchte.

Hast Du weiter gestillt, als Du bereits wieder angefangen hattest zu arbeiten?

Mit 6 Monaten habe ich mit Beikost/Baby led weaning angefangen und die Elternzeit ging ein Jahr. Bis dahin wollte meine erste Tochter auch nur noch nachts gestillt werden. Insofern konnte ich tagsüber arbeiten, ohne mir Gedanken über das Stillen zu machen.

Bei meiner zweiten Tochter war es dann so, dass sie auch noch tagsüber an die Brust wollte. Daher habe ich mit noch weniger Stunden als beim ersten Kind angefangen und schnell festgestellt, dass es für sie ok war, solange sie mich nicht gesehen hat. In dem Moment, in dem ich jedoch nach Hause gekommen bin, hat sie mich aufs Sofa zitiert und Ihr Bedürfnis eingefordert.

Die größten Bedenken hatte ich bei meinem dritten Kind. Mein Sohn und ich hatten eine sehr innige Stillbeziehung und ich war ziemlich nervös vor dem Wiedereinstieg nach der Elternzeit. Und so habe ich meine Schwiegereltern am ersten (und auch sehr kurzen) Arbeitstag gebeten, mit ihm in der Nähe des Büros spazieren zu gehen, falls er nach mir verlangen würde. Aber auch hier hat sich gezeigt, er konnte geduldig warten, bis ich zurück war, aber dann wurde direkt und vehement nach der Brust verlangt.

ALLERDINGS: Bis zum ersten Kind war ich viel auf Reisen, i.d.R. immer nur ein oder zwei Nächte am Stück. Doch das ging mit einem noch gestillten Einjährigen nicht. Hier hatte ich bereits vor der Rückkehr aus der Elternzeit mit meinem Arbeitgeber gesprochen und wir waren so verblieben, dass ich zunächst nur Kunden und Termine übernehmen würde, die keine Übernachtung erforderten, bis das Kind abgestillt war.

Sollten Firmen ihre Mitarbeiterinnen unterstützen, wenn sie stillen wollen?

Ich finde es enorm wichtig, dass Firmen dies unterstützen und auch, wie in meinem Fall beim Reisen, entsprechende Zugeständnisse machen – auch aus eigenem Interesse. So können Mitarbeiterinnen früher zurückkommen (wenn sie wollen) und da weitermachen, wo sie aufgehört haben und zum Erfolg der Firma beitragen.

Und Frauen, die von Ihrer Firma beim Thema Stillen und allem anderen, was das Thema Familie angeht, unterstützt werden, bleiben ihrem Arbeitgeber loyal und länger gebunden, sind engagierter und motiviert. Zumindest kann ich das von mir und anderen Müttern, die ich persönlich kenne, behaupten.
 
Das Thema ansprechen würde ich selbst immer erst dann, wenn das Kind bereits auf der Welt ist und es um den Wiedereinstieg geht. Davor finde ich verfrüht, denn man weiß nicht, wie sich die eigene bisherige Sicht auf das Berufsleben mit der Geburt eines Kindes verändert.

Was würdest Du Frauen, die Stillen und Arbeiten vereinbaren wollen als Tipp mitgeben?

Kinder sind keine Projekte, die man managen und steuern kann!

Jedes Kind ist anders und die Geburt eines Kindes bringt die eigene Welt zunächst ins Wanken. Alles ist neu, alles ist anders, man muss ich neu sortieren.

Macht Euch Gedanken und Pläne und freut euch, wenn sie aufgehen, aber seid nicht überrascht, wenn es anders kommt. Und darauf lasst Euch dann mit ganzem Herzen ein, denn ansonsten sind Mutter und Kind unglücklich.

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